Ich und die Stadt

Ich und die Stadt

 

Lautlos sitzt er auf dem Dach, weiß nicht wie er da rauf gekommen ist. Obwohl es schon spät ist, flitzen die Menschen noch unten auf den Straßen entlang. Er beobachtet sie, beneidet sie. Wie sie da einfach entlang gehen können, ohne sich zu fürchten, vor dieser riesigen, hektischen Stadt. Ohne nachzugrübeln wo die ganzen Häuser herkommen, und was die Menschen damit der Erde antuen. Er spuckt über den Rand des Daches, hofft einen dieser Mensch zu treffen. Er selbst sieht sich nicht als Mensch, er ist besser. Geräuschlos fällt der Schnee, aus dem Wolken verhangenen Himmel. Es ist Stockdunkel, und trotzdem eilen die Menschen auf den Straßen immer weiter. Er ist wütend auf sie, ohne einen bestimmten Grund. Er weiß nur dass er sie hasst. Alle, die Menschen, denen er so ähnlich wäre, die Stadt, die so beängstigend und hektisch ist, dass er es nicht mehr in ihr aushält, die Häuser, die überall im Weg stehen und scheinbar immer näher zusammen rücken, und diese Nacht, die ihm zeigt wie anders er doch ist. Langsam steht er auf, geht näher an den Rand des Daches und guckt nach unten. „Das wird euch eine Lehre sein.“ Sein letzter Gedanke. Er dreht sich um, breitet die Arme aus und springt. Während er fällt, den Blick zum Himmel gerichtet, lächelt er zu ersten Mal. Versucht es zumindest.

 

 

 

 

 

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28.9.12 20:58

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